Seeheim-Jugenheim wurde von der bekannten Schriftstellerin Susanne Mischke, die einige Jahre hier wohnte, als „Kulturnest“ beschrieben. In der Tat gibt es in unserer Gemeinde beeindruckend viele Menschen, die ehrenamtlich jedes Jahr ein buntes, qualitativ hochwertiges und umfassendes Kulturprogramm auf die Beine stellen. Das Spektrum reicht von Vereinen und Initiativen, die sich der Pflege des Brauchtums und des kulturellen Erbes widmen, über Vorträge, Führungen, Ausstellungen, Kunstangebote, Theater, Dichtervorlesungen, Filmvorführungen, Gesangvereine bis hin zu Konzerten.
Die Gemeinde Seeheim-Jugenheim selbst ist nicht in der Lage, all diese Aktivitäten finanziell zu unterstützen. Deshalb sind die ortsansässigen Kulturschaffenden, ob Kirchen, Vereine, private Initiativen oder Stiftungen, auf die finanzielle Unterstützung von Förderern angewiesen. Die Zahl der Sponsoren ist jedoch begrenzt und somit auch der Fördertopf, der zur Verfügung steht.
Es ist deshalb völlig unverständlich, dass die SPD Seeheim-Jugenheim vor diesem Hintergrund beantragt, der Kulturstiftung für die Bergstraße beizutreten und dieser Antrag von der Fraktion Bündnis 90/Grüne unterstützt wird. Die Kulturstiftung für die Bergstraße ist eine nicht rechtsfähige Stiftung in der Verwaltung des Magistrats der Stadt Zwingenberg. Weitere Stiftungsmitglieder sind Bensheim und Alsbach-Hähnlein. Bei einem Beitritt Seeheim-Jugenheims wird vorausgesetzt, dass die Gemeinde Seeheim-Jugenheim aus Haushaltsmitteln 10.000 Euro in die Stiftung einbringt. Des Weiteren wird erwartet, dass über die Gemeinde jeweils 10.000 Euro von der GGEW AG und der Sparkasse Darmstadt eingeworben werden. Und letztendlich sollen potenzielle private Spender vor Ort zusätzliche Gelder in die Stiftung einbringen.
Die CDU Seeheim-Jugenheim lehnt einen Beitritt der Gemeinde in die Kulturstiftung für die Bergstraße aus folgenden Gründen kategorisch ab:
1. Die Gemeinde Seeheim-Jugenheim hat vor Jahren die direkte finanzielle Vereinsförderung aus Kostengründen eingestellt. Es kann nicht angehen, dass eine auswärtige Stiftung eine große Summe aus dem kommunalen Haushalt erhält und unsere örtlichen Initiativen leer ausgehen.
2. Der Beitrittsbetrag in Höhe von 10.000 Euro stellt eine freiwillige Leistung dar. Die Gemeindevertretung ist verpflichtet, 2017 einen ausgeglichenen Haushalt zu beschließen. Es darf nicht sein, dass wir auf der einen Seite dringend notwendige Investitionen zurückstellen und gleichzeitig dem Wunschkonzert einzelner Personen nachkommen.
3. Die Gemeinde Seeheim-Jugenheim hätte in der Stiftung nur ein anteiliges Stimmrecht. Inwieweit mit diesem begrenzten Stimmenanteil unsere Interessen gegenüber denen der anderen drei Kommunen Berücksichtigung finden, ist völlig offen.
4. Seeheim-Jugenheim ist eine Wohngemeinde mit hoher Lebensqualität. Dementsprechend ist das Gewerbesteueraufkommen im Vergleich zu anderen Kommunen gleicher Größenordnung gering. Förderer, wie Sparkassen oder Wirtschaftsunternehmer, stehen nur im begrenzten Maße zur Verfügung. Bei einem Beitritt in die Kulturstiftung für die Bergstraße müssten die beschränkten Mittel aus dem Sponsoring zum Nachteil der örtlichen Kulturschaffenden und auch der örtlichen Vereine insgesamt weiter aufgeteilt werden.
Aus den gleichen Überlegungen heraus hatten der Gemeindevorstand und der Bürgermeister der Gemeindevertretung empfohlen, der Kulturstiftung für die Bergstraße nicht beizutreten. Die CDU-Fraktion hatte in der jüngsten Haupt- und Finanzausschusssitzung die Argumente, die gegen einen Beitritt sprechen, vorgetragen. Als Reaktion darauf warf der SPD-Fraktionsvorsitzende ein: „Dann schmoren wir eben weiterhin im eigenen Saft.“ Für die CDU ist diese Aussage eine Herabwürdigung der Leistungen aller Menschen, die sich in ihrer Freizeit für die Bereicherung des kulturellen Lebens in unserer Gemeinde einsetzen.
Am 22. September 2016 wird in der Gemeindevertretung über den Antrag der SPD- Fraktion zum Beitritt in die Kulturstiftung für die Bergstraße abgestimmt. Es muss verhindert werden, dass eine außerörtliche Stiftung zu Lasten der kreativen Kräfte vor Ort bevorzugt wird. Bitte machen Sie Ihren Einfluss geltend und wirken Sie auf die Fraktionen ein, die gewillt sind, dieser Benachteiligung zuzustimmen.
Mit freundlichen Grüßen
Hannjo Nawrath, Fraktionsvorsitzender